Pressestimmen



Christoph Goldstein für Schmid´s Laden im Febraur 2019

TRIO ÉTOILES: Drei Sterne in Geisenhausen

Einer der schönsten Momente für den Zuhörer ist, wenn man merkt, wieviel Spaß die Musiker eigentlich auf der Bühne haben. Und das haben die drei Virtuosen Sarah Kober, Vanja Sedlak und Vadym Palii. Sie schütteln die schwierigsten Läufe einfach so aus dem Ärmel! In Glinkas Trio hat man das Gefühl, eine Opernszene jagt die nächste, so keck, einfühlsam und singend modellieren die drei die Charaktere, die in dieser wunderschönen Musik stecken. Debussys Trio lädt zum Träumen ein, so sensibel streichelt Vadym Palii über die Tasten des Flügels und nach den fetzigen Tangos wollen die Menschen im Publikum gar nicht mehr aufhören zu klatschen! Sarah Kober führt das Publikum mit ihren charmanten Moderationen humorvoll durch den Abend und entlockt dem Sopransaxophon die süßesten Klänge, die man sich vorstellen kann. Vanja Sedlak schwelgt mit seinem Baritonsaxophon in dunklen, sonoren Klängen und man meint, einen Sänger singen zu hören, so fein phrasiert er. Vadym Palii wechselt mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen den Rollen des sensiblen Begleiters und des brillanten Solisten, wenn es die Musik verlangt. Kurz: Ein Abend, der wie im Flug verging und den Sie sich nicht entgehen lassen sollten!
Karin Basso-Ricci für VILSBIBURGER ZEITUNG im November 2018

Gedankenspiele
Christoph Schmids erster Roman als künstlerische Synthese

Würde man den unglücklichsten aller Menschen erkennen, wenn man ihn vor sich hätte? In Schmid’s Laden in Geisenhausen kann man es derzeit versuchen: bei der Buchvorstellung von Christoph Schmids erstem Roman „Die Gedankenverkrümmung. Narreteien eines irrefahrenden Jahrmarktkünstlers“ – mit Klaviermusik von Alexander Skrijabin und Bildern des bekannten Landshuter Fotografen Thomas Beißner als Gesamtkunstwerk inszeniert.

Auf einen Jahrmarkt im Russland des 19. Jahrhunderts führt die Szenerie, in ausgewählten Passagen von Schmid selbst vorgetragen. Dort präsentiert sich eben dieser „unglücklichste aller Menschen“ als Attraktion und beginnt, aus der Ich-Perspektive von sich zu erzählen. Durch die Platzierung der Rahmengeschichte in der klassischen „Freak-Show“ stellt der Roman schnell klar, worum es ihm geht: Menschliches, scheinbar Skandalöses – in diesem Fall innere, nicht sichtbare Vorgänge – zur Schau zu stellen. Schmid legt seinem Protagonisten damit Programmatisches für das ganze Buch in den Mund: „Jede innere Wirklichkeit hat eine Wirkung nach außen.“ Die Menge „verstärke“ und offenbare die Dinge, die sich in einem Menschen ereignen. Somit ist auch die Rolle des Publikums an diesem Abend in Schmid‘s Laden definiert.

Der Protagonist führt den Leser, oder besser die Zuhörer, zurück in seine Kindheit in der russischen Provinz. Enttäuscht von der Außenwelt, die ihm keine Antwort auf seine drängenden Fragen gibt, verurteilt sich der Junge selbst. Er bezichtigt sich der Dummheit, der „Gedankenverkrümmung und -missbildung“. Mit fast autistischen Zügen versinkt er mehr und mehr in seine Innenwelt, ergeht sich in unendliche Gedankenschleifen und –experimente über die Wirklichkeit. Plant sogar seine eigene „Auslöschung“, falls dies eines Tages geboten sein sollte. Doch so weit kommt es nicht: Er entdeckt die Zur-Schau-Stellung als therapeutischen Weg für sich.

Schmids Sprache, elegant historisierend, fesselt in diesen überraschenden, erfrischenden, philosophischen, oft tragikomischen Gedankenexperimenten. Ein eigener, hypnotischer Rhythmus wohnt ihr inne. Wer schon in Schmid’s Laden zu Gast war, dem ist sie vertraut. Schmids Bühnenstücke leben von dieser an der Musik orientierten Sprache – und Schmids eigenem Spiel. So gibt er an, mit dem Buch eine „Partitur“, ja „Bühnenliteratur“ geschaffen zu haben.

Auch dieser Abend ist weitaus mehr als eine literarische Entdeckung, er ist eine künstlerische Synthese. Flankiert sind die Versatzstücke des Romans mit Bildern aus verschiedenen, teils in den vergangenen Jahren in Landshut ausgestellten und publizierten Zyklen von Thomas Beißner. Für die Landshuter Zeitung blickte er erst kürzlich hinter die Kulissen der Dult – abends, wenn der letzte Besucher gegangen ist und die Neonlichter wie sinnentleert in die Nacht strahlen. Beißners suggestive Fotos ermöglichen durch ihren entlarvenden Blick auf die Realität, was Schmid mit Worten vollbringt: Zwischenwelten aufzuzeigen, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, seine Gedanken zu verkrümmen in ungeahnte Richtungen und so den Zauber hinter den Dingen zu erkennen. Intensive Noten verleihen sie dem Gesprochenen.

Organisch wirken auch die Klavierstücke, die Pianistin Marita Maierholzner aus Vilsbiburg klar und kraftvoll zwischen die vorgetragenen Szenen setzt. Für Auszüge aus den Préludes op. 11 des russischen Komponisten Alexander Skrijabin hat sie sich entschieden. Nicht nur wegen der Verortung des Romangeschehens in Skrijabins Heimat ist dies eine gute Wahl. Die Musik spiegelt das Anliegen des Textes wieder: die Realität zu analysieren, sie neu interpretiert wieder für sich zusammenzufügen – wie es Skrijabin mit seiner an vielen Stellen experimentellen Harmonik machte.

Emotionaler Höhepunkt des Abends ist die Schilderung von Christi Kreuzigung – aus Sicht des Kindes eines beteiligten Soldatenhauptmanns, das seinen Vater „zur Arbeit“ begleitet. Denn neben der Rahmengeschichte und den Erinnerungen des jungen Protagonisten gibt es eine dritte Ebene: zehn Träume sind in den Roman eingeflochten. Sie bilden „die Schaltstellen zwischen Wirklichkeit und Imagination“, wie Schmid erläutert. Begleitet von Beißners Blick auf das monumentale Kruzifix in der Landshuter Stiftsbasilika St. Martin, schillernd in Licht und Schatten eingebettet, löst diese Passage Kategorien wie Gut und Böse auf, lädt ein, auch Glaubensinhalte neu für sich zu deuten.

Nicht nur in der Auseinandersetzung mit spirituellen Themen trägt der Roman viele autobiographische Züge, wie man schon von Beginn des Abends an ahnt. Das bestätigt Schmid anschließend auch bei einem von Christoph Goldstein moderierten Autoren-Gespräch. Gerade in der Art, die Wirklichkeit wahrzunehmen, entspreche ihm der Roman sehr. Auch viele Kindheitserinnerungen spiegelten sich darin wider. Vor zehn Jahren hat Schmid, der zuvor vor allem Lyrik verfasste, den Roman geschrieben. Nach einem „Winterschlaf“, wie er es bezeichnet, wurde das Werk nun, gefördert von dem österreichischen Literaturfreund Gerhard Jordan, veröffentlicht. Doch besteht Schmid darauf, dass sein Buch nicht „nur therapeutisch“ sei, „es soll von Belang sein für die Menschen“. Darum braucht er sich wohl nicht zu sorgen, wie die ergriffen-begeisterten Reaktionen des Publikums auf die Premiere nahelegen.

Schmids gleichnamiges Buch ist für 15 Euro unter www.vonINNENnachAUSSEN.de bestellbar.